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2009 Poker am runden Tisch - Teil 1

Anmerkung des Redakteurs: PokerNews beginnt das Jahr damit, indem wir einige Branchenexperten über die Vergangenheit, die Gegenwart und natürlich über die Zukunft des Pokerns befragen. In den nächsten Tagen werden wir ihnen durch die Meinungen der Experten einen Überblick über die Pokerwelt geben und versuchen zu erfahren was im Jahr 2009 und später passieren wird. Wir möchten darauf hinweisen, daß die Meinungen der Poker-Experten nicht notwendigerweise die Meinung von PokerNews repräsentieren.

Zu unseren heutigen Fragen nehmen unter anderem folgende Experten Stellung: Matthew Parvis (Chefredakteur des "Bluff Magazine"), Brian Basbough (der Gründer von Poker Royalty), Pauly "Dr.Pauly" McGuire (der Autor des Tao of Poker Blogs und Redakteur beim "Bluff Magazin"), Nat Arem (Gründer von "PokerDB"), Matthew Savage (bekannter Turnierdirektor und Manager des Commerce Casino Poker-Rooms) und Barry Greenstein (High-Stakes Cash-Game und Turnierspieler, Mitglied Team PokerStars Pro)

Heutige Frage: Wenn Sie in das Jahr 2003 zurückgehen könnten. Gibt es etwas im Bezug auf den Poker-Boom, was Sie verhindern bzw. verändern würden?

Matthew Parvis: Ich würde dafür sorgen, daß ESPN keine sechs Monate braucht, um eine Berichterstattung zu überarbeiten und dafür sorgen, daß die Berichterstattungen zeitnah übertragen werden. Ich denke ESPN und die WPT wussten zu dieser Zeit nicht wirklich wie sich die Sache mit dem Pokern entwickeln wird, sie nahmen an, daß ein Produkt geschaffen worden wäre, welches sich selbst verkaufen würde. Deshalb leiden die meisten Pokerübertragungen noch heute darunter, daß die Poker-Fans schon vor der Übertragung im TV wissen, wie der Verlauf des Events war und wer gewonnen hat. Niemand würde sich für den Superbowl interessieren, wenn man schon vorher wissen würde, wer ihn gewinnt.

Es hat 5 Jahre gedauert, bis die Branche auf den Trichter gekommen ist und durch die Pause am WSOP ME Final Table dafür gesorgt hat, daß die spannendsten Momente fast Live übertragen wurden. Ich verstehe auch, daß die Zuschauer die Hole Cards sehen möchten, trotzdem hätten auch die Zuschauer im Jahr 2003 eine zeitnahe Übertragung bevorzugt. Ich denke, daß wenn wir schon damals auf die Bedürfnisse der Zuschauer eingegangen wären, der Boom eventuell noch starker gewesen wäre.

Brian Balsbaugh: Wenn ich eine Zeitmaschine hätte und etwas im Jahr 2003 ändern könnte, dann wäre es der rechtliche Grauzonenstatus, mit welchem Poker immer noch kämpfen muss. Anstatt sich mit Anbietern aus Übersee zu arrangieren, hätte man mit Microsoft, Yahoo, MGM, Harrah's und Google verhandeln sollen. Ich hätte die Türen für Mainstream Sponsoring geöffnet und hätte einen größeren Markt für Player Deals geöffnet.

Nat Arem: Wenn ich damals etwas ändern könnte, wünschte ich…das hört sich jetzt vielleicht ein wenig merkwürdig an, weil ich geholfen habe diese Branche aufzubauen… daß die Dinge, welche geschaffen wurden, um den Fischen beim Pokern das Leben schwer zu machen, nie eingeführt worden wären. Dazu gehören Dinge wie Datamining (siehe z.B. PokerDB). Es gehören aber "CardRunners" und "StoxPoker" dazu. Und Rakeback ebenfalls; ich wünschte Rakeback wäre nie eingeführt worden. Alle diese Dinge hätten vielleicht nie angeboten werden sollen. Es gibt heute nichts mehr, was ich tun könnte, um diese Entwicklung zu stoppen. Deshalb hat sich Poker nun zu einem Sport für die guten Spieler entwickelt, damit diese so schnell wie möglich, möglichst viel Geld von den schlechten Spielern gewinnen können. Ich weiß, daß die guten Spieler immer gewinnen werden und daran kann man sicherlich nichts ändern.
Ich habe das Gefühl Poker ist irgendwie "räuberisch" geworden und es hat heute weniger den Spaßfaktor, den es noch vor drei oder vier Jahren für die meisten Spieler hatte. Ich denke, daß dies keine gute Sache ist. Ich kenne Spieler, welche richtig "Grinden", welche 7 Stunden am Tag, acht Tische gleichzeitig spielen. Irgendwann hatte auch ich mal zu diesen Personen gehört. Ich weiß auch, daß diese Spieler den Poker-Rooms gute Geschäfte bescheren, sie sorgen dafür, daß die Spiele laufen und all die anderen Sachen, ich denke aber auch, daß die Incentives mit Rakeback für diese Leute der falsche Anreiz sind – ich denke, daß es falsch ist, wenn jemand, der 12 Tische gleichzeitig spielt, die Spiele langsamer macht. Damit verdirbt er den Jungs, die einfach nur so zum Spaß spielen die Freude am Spiel. Es ist zu spät, um die Entwicklung in der Branche zu stoppen… PokerDB, OPR (Official Poker Rankings), SharkScope, CardRunners, Stox, PXF (PokerXFactor)… alle diese Angebote werden von den Spielern genutzt und sind aus der Pokerszene nicht mehr weg zu denken, wobei es mir lieber gewesen wäre, es hätte diese Dienste nie gegeben. Ich denke daß die PokerDB noch zu den harmlosen Angeboten zählt, wenn ich aber zurückgehen könnte, wäre es vielleicht besser gewesen alle diese Dienste einfach zu verbieten.

Dr. Pauly: Ich würde die Mitglieder unserer Regierung an den Pranger stellen, welche sich unrechtmäßig die Taschen durch Bestechungsgelder gefüllt haben. Damit sind die Leute bei der IRS, dem DoJ, Dick Cheany und einige Mitglieder des Kongresses gemeint. Ich glaube, daß einige Entscheider geschmiert worden waren (sowohl aus der Politik, als auch aus der Bankenindustrie), um einfach wegzusehen, damit der UIGEA im Rahmen des Sicherheitsgesetztes eingeführt werden konnte. Vielleicht ist meine Behauptung ein wenig weit hergeholt, aber egal, wir können ja sowieso nicht in die Vergangenheit reisen.

Matthew Savage: Ich wünschte mir, daß die WSOP weniger kooperativ gewesen wäre. Wenn man einen Poker-Pro fragt, antworten diese alle, daß Poker sich zu einem Spaß-Sport entwickelt hat und daß die Traditionen verloren gegangen sind. Ich muss aber anerkennen, daß Harrah's viel zu dem Wachstum von Poker beigetragen hat.

Barry Greenstein: Es ist relativ klar, daß 3 Dinge zum Poker-Boom geführt haben. Eins davon, möchte ich mal den "Moneymaker Effect" nennen, ein Junge qualifiziert sich über einen 40 Dollar Satelliten für das Main Event und gewinnt es letztendlich. Er ist ein durchschnittlicher Junge, deshalb möchten andere Spieler dies ebenfalls versuchen. Dann sind da noch die Hole-Card Kameras, welche die Fernsehübertragungen sehr viel interessanter gemacht haben. Der dritte Faktor sind die Internet Poker-Rooms, welche sehr viel Geld haben, um Werbung zu machen, wie z.B. die sehr teuere Werbung im TV.

Diese Faktoren haben sicherlich zum Poker-Boom beigetragen. Zu den Dingen, welche ich geändert hätte, gehört sicherlich die Art und Weise, wie die Politiker und die Anbieter von Internet-Glücksspielen mit der UIGEA umgegangen sind. Eines der Dinge, welche eine Menge Leute missverstanden haben, war die Vorgehensweise von PartyPoker (dem Marktführer zu dieser Zeit). Es gab eine Menge Organisationen, welche eine Lobby gegen die UIGEA bilden wollten. PartyPoker war aber zu diesem Zeitpunkt nicht kooperativ und dachte, sie müssten nicht mit den anderen Parteien zusammenarbeiten. Einerseits sind die von PartyPoker zwar immer noch Multi-Millionäre, aber die Unstimmigkeit in der Szene geht unvermindert weiter.

Viele Leute wissen nicht, daß dies schon einige Jahre lang so war (die mangelnde Kooperationsbereitschaft) und daß PartyPoker erst kurz vor der Katastrophe (der UIGEA Einführung) aufwachte und anfing mit den anderen Internet-Anbietern zusammen zu arbeiten – da war es aber schon zu spät. Seit dieser Zeit haben wir sehr viel im Bezug auf Lobbying unternommen. Wenn wir die Sache mit dem Lobbying bereits im Jahr 2003/2004 so wie heute vorangetrieben hätten, wäre es nie zu der heutigen Situation gekommen und die heutige Lage wäre mit Sicherheit ganz anders. Es wurde damals einfach verpfuscht und dies wäre die einzige Sache, welche ich ändern würde. Ich hätte ihnen einfach gesagt: "Erkennt ihr nicht, was passieren wird, wenn ihr euch im Bezug auf Lobbying nicht richtig engagiert?" So ist das halt in unserem Rechtssystem.

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