2009 Poker am runden Tisch - Teil 9
Januar 13, 2009, John Caldwell und Haley Hintze

Anmerkung der Redaktion: PokerNews beginnt das Jahr damit, indem wir einige Branchenexperten über die Vergangenheit, die Gegenwart und natürlich über die Zukunft des Pokerns befragen. Die Meinungen der Experten werden Ihnen einen aktuellen Überblick über die Pokerszene verschaffen und wir werden versuchen, herauszufinden wie sich die Pokerszene im Jahr 2009 und in den Jahren danach weiterentwickeln wird. Wir möchten darauf hinweisen, daß die Meinungen der Poker-Experten nicht notwendigerweise die Meinung von PokerNews repräsentiert.
Zu unseren heutigen Fragen nehmen unter anderem folgende Experten Stellung: Matthew Parvis (Chefredakteur des "Bluff Magazine"), Pauly "Dr.Pauly" McGuire (der Autor des Tao of Poker Blogs und Redakteur beim "Bluff Magazin"), Nat Arem (Gründer von "PokerDB"), Matthew Savage (bekannter Turnierdirektor und Manager des Commerce Casino Poker-Rooms) und Barry Greenstein (High-Stakes Cash-Game und Turnierspieler, Mitglied Team PokerStars Pro)
Heutige Frage: Könnten Sie sich vorstellen, daß im Jahr 2009 ein neuer Online Poker-Room an den Start geht und er es schaffen könnte sich einen größeren Anteil am Online Pokermarkt zu sichern?
Nat Arem: Es kommt darauf an, wie man "großen Anteil" definiert. Ich denke es dauert eine Weile, bis man über die entsprechende Spieleranzahl verfügt. Man kann sich einfach nicht in so kurzer Zeit eine so große Anzahl Spieler sichern. Deshalb würde ich auf die Frage grundsätzlich mit "Nein" antworten, wobei ich aber glaube, daß man eventuell eine Chance hätte, wenn man bereit wäre eine Achtstellige Summe in Werbung zu investieren, wobei dies aber überaus unwahrscheinlich ist.
Matthew Parvis: Mein Bauchgefühl sagt mir, daß es möglich wäre, wenn die richtigen Leute dahinter stehen. Eigentlich sollte es nur darauf ankommen, wie man den Online Poker-Room vermarktet und wie man sein Produkt präsentiert, in diesem Fall ist es jedoch etwas anders. Es müsste etwas ganz Neues sein, so was in die Richtung wie es Full Tilt Poker macht, in dem soviel PokerPros wie möglich an den Poker-Room gebunden werden. Obwohl meine Idee doch wieder in eine ganz andere Richtung geht, würde ich grundsätzlich sagen, daß es nicht passieren wird. Meine Antwort wäre also "Nein", obwohl es unter bestimmten Umständen doch eventuell möglich wäre. Eine Gruppe von Visionären, welche sich mit dieser Aufgabe identifizieren, über ein sehr hohes Budget verfügen und sich absolut im Business auskennen, könnte es eventuell schaffen.
Dr. Pauly: Ich würde "Nein" sagen, da es grundsätzlich momentan so aussieht als würde es in der Pokerbranche zu einer Fusionierung kommen, wobei diese Entwicklung in der gesamten Glücksspielbranche beobachtet werden kann.
Brian Balsbaugh: Ich denke daß ein neuer Poker-Room sich im Jahr 2009 durchaus einen größeren Marktanteil sichern könnte. Wenn ich in den letzten 5 Jahren etwas über Online-Poker gelernt habe, ist es, daß man niemals wissen kann, was noch passieren könnte. Im Jahr 2005 war PartyPoker der absolute Marktführer und der PartyPoker-Direktor sagte mir, daß Full Tilt Poker "Null Chancen" hätte erfolgreich zu sein. Er war zu dieser Zeit der smarteste Junge der gesamten Pokerbranche und noch nicht mal er schaffte es damals eine richtige Zukunftsprognose abzugeben.
Matthew Savage: Ich bezweifle es, da der Erfolg von Seiten, wie Full Tilt und PokerStars mittlerweile so groß ist, daß ein Newcomer kaum noch Chancen hat mitzuhalten. Geld zieht Geld an, es wäre für einen neuen Online Poker-Room sehr schwierig diesen Kreislauf zu durchbrechen.
Barry Greenstein: Das dürfte sehr schwierig sein. Es kommen immer wieder Leute zu mir, im speziellen Leute welche sich mit Wohltätigkeit beschäftigen und fragen ob wir etwas für die Wohltätigkeit tun könnten und etwas von unseren Gewinnen abgeben könnten. Meistens sind dies Leute, welche nicht wissen, daß wir auch nicht mehr soviel Geld zur Verfügung haben. Es ist momentan überaus schwierig. Die weltweite Wirtschaftskrise macht es sehr schwierig jetzt einzusteigen und sich am Markt durchzusetzen. In den letzten Jahren haben immer wieder Leute zu mir gesagt:" Die Software ist großartig". Was die Leute aber nicht bedenken, ist das die Software, welche bei den großen erfolgreichen Seiten im Einsatz ist im Laufe der letzten Jahre ständig optimiert und angepasst wurde. Man kann nicht einfach irgendeine neue Software programmieren und dann davon ausgehen, daß man damit irgendwie konkurrenzfähig wäre. Man hat also keine Software, man hat keine Spieler du es wäre sehr, sehr schwierig.
Die einzige Möglichkeit, welche ich mir vorstellen könnte wäre, wenn sich die Gesetze ändern würden und sich einer der großen, wie z.B. MGM der Sache annehmen würde und sich mit einem neuen Anbieter zusammen tun würde, um neue Spieler anzuziehen. Viele Leute denken, dass Harrahs der einzige Anbieter wäre, welcher in der Lage wäre, Online-Poker und Live-Poker unter einen Hut zu bringen. Darüber reden die Leute schon seit der UIGEA in Kraft getreten ist. Sie sagen:" Was wird passieren, wenn das Gesetz außer Kraft gesetzt wird?". Es gibt eine Theorie, welche besagt, daß die großen Live-Casino's dann die großen Online-Poker-Rooms kaufen würden und diese dann in eigener Regie betreiben würden. Sogar mir den Ressourcen der Live-Casinos, wäre es kaum möglich einen neuen Online Poker-Room zu eröffnen und sich damit gegen die bestehenden Online-Poker-Rooms zu behaupten. Wir haben einen Spruch im Softwarebusiness, welcher besagt:" Es sind immer nur zwei Produkte erfolgreich, das Erste und das Beste". Wenn also nun ein neuer Anbieter einsteigen würde (wobei wir in der Vergangenheit ja bereits feststellen konnten, daß einige Anbieter beim Einstieg kläglich gescheitert sind, obwohl sie davon ausgingen, es wäre leicht verdientes Geld), kann er schon mal auf keinen Fall mehr der Erste sein. Es gibt schon jede Menge erfolgreiche und jahrelang verbesserte Spielsoftware, deshalb kann heute niemand mehr erwarten, daß er schnell mal eine Software schreibt und dann gleich ein konkurrenzfähiges Produkt vorweisen kann. Es ist einfach zu kompliziert eine solch komplexe Software zu entwickeln und kurzfristig konkurrenzfähig zu machen.
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