2009 Poker am runden Tisch - Teil 8
Januar 11, 2009, John Caldwell und Haley Hintze

Anmerkung der Redaktion: PokerNews beginnt das Jahr damit, indem wir einige Branchenexperten über die Vergangenheit, die Gegenwart und natürlich über die Zukunft des Pokerns befragen. Die Meinungen der Experten werden ihnen einen aktuellen Überblick über die Pokerszene verschaffen und wir werden versuchen, herauszufinden wie sich die Pokerszene im Jahr 2009 und in den Jahren danach weiterentwickeln wird. Wir möchten darauf hinweisen, daß die Meinungen der Poker-Experten nicht notwendigerweise die Meinung von PokerNews repräsentiert.
Zu unseren heutigen Fragen nehmen unter anderem folgende Experten Stellung: Matthew Parvis (Chefredakteur des "Bluff Magazine"), Pauly "Dr.Pauly" McGuire (der Autor des Tao of Poker Blogs und Redakteur beim "Bluff Magazin"), Nat Arem (Gründer von "PokerDB"), und Barry Greenstein (High-Stakes Cash-Game und Turnierspieler, Mitglied Team PokerStars Pro)
Heutige Frage: Gibt es etwas, was Sie beim Online Spielen oder bei den großen Poker-Rooms in den nächsten Jahren verändern würden?
Nat Arem: Ich würde es sehr gerne sehen, wenn die Poker-Rooms im Bezug auf die Informationen über Schwindler und Betrüger enger zusammenarbeiten würden. Es müsste von den Online-Poker-Rooms so eine Art gemeinsame Datenbank mit den Informationen zu Schwindlern und Betrügern geschaffen werden. Ich glaube, daß durch diese Spieler eine Menge Probleme für Online Poker entstehen und es wäre einfach großartig, wenn die Online Casinos diese Informationen untereinander austauschen würden, ähnlich wie die Casinos in Las Vegas. Es wundert mich sehr, daß dies bis zum heutigen Tag noch nicht der Fall ist.
Dr. Pauly: Nur eine zuverlässige Methode um Online-Einzahlungen und Auszahlungen vor zu nehmen. "Zuverlässig" bedeutet, daß es sich nicht wie bei einigen Poker-Rooms alle paar Wochen ändert. Einige Spieler müssen bei einer Auszahlung drei Tage warten, andere Spieler warten drei Wochen bis der Scheck oder eine Antwort auf den Auszahlungsantrag kommt. Gleichzeitig kommen immer wieder Leute zu mir und fragen mich, ob ich etwas auf ihren Online Poker Account einzahlen könnte. Die Leute wollen Poker spielen, aber einige haben es halt recht schwer ihren Wunsch umzusetzen. Hier sollte was geändert werden, etwas was mit der grundsätzlichen Logik zusammenhängt. So eine Art "Loyalitäts-Programm" – wenn die die Spieler wissen, daß man bei Full Tilt Poker oder bei PokerStars relativ leicht Geld auszahlen kann, werden mehr Spieler dort spielen.
Matthew Parvis: Ich würde es gerne sehen, wenn Online Poker-Rooms – vielleicht die größten Fünf – eine Art gemeinsame freiwillige Selbstkontrolle einführen würden. Wir haben vor kurzem ja gesehen, was alles so bei einem Poker-Room passieren kann, welcher keiner wirklichen direkten Kontrolle untersteht, wobei ja durchaus externe Prüfungsgremien und internationale Regulierungen existieren. Ich denke es wäre für die Pokerszene überaus wichtig, wenn die großen Poker-Rooms wie PokerStars und Full Tilt Poker einen Schritt in diese Richtung machen würden. Die beiden Anbieter sollten zusammenarbeiten, obwohl ich ja verstehe, daß beide im direkten Wettbewerb um die Online-Spieler stehen. Gleichzeitig ist es aber so, daß wenn die beiden Seiten sich zusammen tun könnten und eine für beide Poker-Rooms gültige Ethik und eine regulierende Satzung erstellen könnten, mit welcher beide Seiten sich konform erklären. Dadurch wären sie auch in der Lage entsprechend zu agieren, wenn bei einem anderen Anbieter eine Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bestehen würde (wie z.B. bei UltimateBet/Absolute-Skandal). Wenn es eine eigene Selbstkontrolle der Poker-Rooms geben würde, wäre dies eine sehr gute Sache. Die Poker-Rooms bieten weiterhin ihre Dienstleistungen an und ich denke die Top 5 werden auch weiterhin dafür sorgen, daß sie sich ihr Stück vom Kuchen sichern, wenn es aber die von mir vorgeschlagene Selbstregulierung geben würde, würde dies eine wundervolle Sache, welche für Einigkeit in der Pokerbranche sorgen würde. Das wäre die Sache, welche ich verändern würde.
Barry Greenstein: Ich gehöre zu den glücklichen Leuten, welche die Entscheidungen fällen … bzw. welche bei Entscheidungen miteingebunden werden. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum ich bei PokerStars mit dabei bin, ich bin z.B. in der Lage Vorschläge im Bezug auf die Software zu machen. Ich mache auch regelmäßig Vorschläge und erstelle eine Aufstellung der von mir gewünschten Änderungen, welche ich gerne umgesetzt hätte. Nur um mal zu zeigen, was ich damit meine – einer meiner Vorschläge, war die graphische Anzeige der letzten Hand und aus meiner Idee, wurde dann das entsprechende Display entwickelt und den Spielern zur Verfügung gestellt.
Anfänglich hatte ich auf meiner Liste 30 Änderungen, welche umgesetzt werden sollten. Zehn mit hoher Priorität, Zehn mit mittlerer Priorität und Zehn mit niedriger Priorität. Ich sorge dann immer dafür, daß mein Nr. 1 Vorschlag (mit der höchsten Priorität) immer wieder ins Gespräch kommt und schnellstmöglich umgesetzt wird. Momentan spielen viele Spieler in LA und Europa Badugi, deshalb war die Online-Umsetzung von Badugi meine Nr. 1 und ich hoffte, daß PokerStars noch vor Ende des Jahres 2008 Online Badugi anbieten wird. Einige Veränderungen dauern etwas länger, als es mir eigentlich lieb ist, aber PokerStars sagten mir damals zu, daß im November Badugi mit ins Angebot übernommen werden würde und PokerStars hielt sein Wort. Nun hoffe ich daß bald höhere Stakes angeboten werden. Meinen nächsten Nr. 1 Punkt mit hoher Priorität, werde ich im Laufe des Januars angehen.
(PokerNews): Ist es ein Benutzer-Feature?
Barry Greenstein: Ich werde später darauf eingehen – es ist nämlich außergewöhnlich. Vor längerem sagte ich mal: "Warum können wir dies nicht umsetzen?". Für mich sah es so aus, als würde man nur 1 oder 2 Tage benötigen, um es zu programmieren, aber es muss ja auch sichergestellt werden, daß durch die neuen Programmteile die Stabilität der Software an sich erhalten bleibt. Sie fingen also an es zu testen, was ja auch eigentlich normal ist. Es dauerte aber viel länger, als ich erwartet hätte und ich war deswegen frustriert. Warum gab es nicht mehrere Gruppen von Programmierern, welche meine Vorschläge umsetzen? Man muss aber erkennen, daß man nicht immer alles auf einmal haben kann, manchmal dauert es halt eine wenig, bis ein neues Game implementiert ist. Die Einführung eines neuen Games ist nicht einfach und alles muss in die bestehende Software-Plattform integriert werden, alles muss perfekt funktionieren und zusammenpassen. Kommen wir aber zu der Sache mit meiner Nr. 1 Priorität für den Januar zurück wenn es kommt – man könnte sagen, daß es einige unterschiedliche Arten No-Limit Holdem geben wird. Sie werden sich etwas von den gewohnten Games unterscheiden, ich denke aber, die neuen Games werden sehr beliebt sein.
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