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2009 Poker am runden Tisch - Teil 6

Anmerkung der Redaktion: PokerNews beginnt das Jahr damit, indem wir einige Branchenexperten über die Vergangenheit, die Gegenwart und natürlich über die Zukunft des Pokerns befragen. Die Meinungen der Experten werden Ihnen einen aktuellen Überblick über die Pokerszene verschaffen und wir werden versuchen, herauszufinden wie sich die Pokerszene im Jahr 2009 und in den Jahren danach weiterentwickeln wird. Wir möchten darauf hinweisen, daß die Meinungen der Poker-Experten nicht notwendigerweise die Meinung von PokerNews repräsentiert.

Zu unseren heutigen Fragen nehmen unter anderem folgende Experten Stellung: Matthew Parvis (Chefredakteur des "Bluff Magazine"), Pauly "Dr.Pauly" McGuire (der Autor des Tao of Poker Blogs und Redakteur beim "Bluff Magazin"), Nat Arem (Gründer von "PokerDB"), Matthew Savage (bekannter Turnierdirektor und Manager des Commerce Casino Poker-Rooms) und Barry Greenstein (High-Stakes Cash-Game und Turnierspieler, Mitglied Team PokerStars Pro).

Heutige Frage: Werden im nächsten Jahr im Vergleich zum Jahr 2006 mehr oder weniger Spieler am WSOP Main Event teilnehmen und warum?

Dr. Pauly: Ich denke wegen der Finanzkrise werden es weniger sein. Ich persönlich denke das Wirtschaftsklima wird noch schlechter werden, deshalb wird sich dies auf die Teilnehmerzahlen auswirken – die meisten Spieler im Main Event sind keine Pros und jagen nur ihrem Traum hinterher. Es ist oft die einzige Sache, für welche sie das ganze Jahr sparen und es wird für diese Jungs immer schwieriger werden. Wenn sie eine Ehefrau und Kinder haben, werden Sie irgendwann an einen Punkt kommen, an welchem sie sagen müssen: "Ich habe keine Möglichkeit dieses Jahr $10,000 bei der WSOP zu bezahlen". Wenn man sich so umschaut – die Sache mit dem verlorenen Betriebsrenten usw. es wird für viele Spieler immer schwerer das Buy-In für das WSOP Main Event zusammen zu sparen. Wenn aber der UIGEA überarbeitet würde und tausende und abertausende Spieler wieder auf die Online Poker-Rooms einstürmen, könnte dies dazu führen, daß die Teilnehmeranzahl trotz der Krise wieder ansteigt.

Barry Greenstein: Wenn der UIGEA Poker von der Regulierung ausschließen würde, würde dies zu einem Boom in der Pokerbranche führen und das Business würde größer werden als je zuvor. Warum sollte aber die Teilnehmeranzahl weiter ansteigen? Wenn man sich Bevölkerungswachstum ansieht, wird man feststellen, daß wenn genauso viele Menschen geboren werden, wie Menschen sterben, das Bevölkerungswachstum stagniert. Wenn mehr Menschen geboren werden, als sterben, nimmt die Bevölkerung zu. Die Situation beim Poker ist so ähnlich, wir haben es beim Pokern mit einer Kerngruppe zu tun – diese Kerngruppe wächst mit Internet Poker auf – bei der WSOP konnte man feststellen, daß viele Spieler sich für die WSOP über Online-Satelliten qualifizieren oder Online das Pokern erlernten und dann an der WSOP teilnahmen. Unsere Kerngruppe ist jetzt in den Zwanzigern und gehört nicht dazu der Gruppe welche bald aus Altersgründen sterben wird. Sie werden auch nicht mit dem Pokern aufhören. Wir haben es also mit einem Bevölkerungswachstumsmodell zu tun, bei welchem wir davon ausgehen können, daß fortwährend Menschen die 21 Jahresgrenze überschreiten und somit zu potentiellen Pokerspielern werden. Die jungen Spieler welche nachrücken, machen zwar nicht die Mehrzahl der Spieler aus, da aber das Durchschnittsalter relativ gering ist, wird dies automatisch zum Wachstum führen. Vielleicht wird das Wachstum wegen des UIGEA und den damit zusammenhängenden Restriktionen nicht so hoch ausfallen. Mittlerweile ist es für viele Spieler deshalb schwierig geworden im Internet zu spielen und diese Spieler versuchen dann zum Live Poker zu wechseln, wobei der Zuwachs durch diese Spieler relativ gering ausfällt. Die Gesamtzahlen im Jahr 2008 waren gestiegen und werden auch im Jahr 2009 wieder steigen. Einige Leute denken, daß die Pause beim WSOP Main Event Final Table dazu geführt hat, daß die Zuschauerzahlen angestiegen sind. Ich denke jedoch, daß die Spielpause keine große Auswirkung auf die Zuschauerzahlen hatte. Ich denke die positiven Wachstumseffekte entstehen überwiegend durch das Bevölkerungswachstum-Phänomem – neue Spieler kommen hinzu und ältere Spieler verlassen die Szene.

Matthew Parvis: Ich denke im Jahr 2009 werden mehr Spieler teilnehmen. Der Grund liegt in der 2008 Harrah's und ESPN Strategie, welche dazu geführt hat, daß neue Energien in der Szene spürbar sind. Die Wirtschaftslage wird die WSOP zukünftig mehr beeinflussen, als in der Vergangenheit, wir gehen aber trotzdem auch zukünftig von positiven Ergebnissen aus. Der Wirbel um den Final Table ist ein Zeichen dafür, daß die Leute sich mit dem Thema WSOP beschäftigen und daß die WSOP als großes Pokerevent, eines der wichtigsten Ereignisse des jährlichen Pokerturnierkalenders ist.

Wenn man sich Spieler wie Dennis Phillips, Peter Eastgate und Ivan Demidov ansehen, können wir erkennen, daß Poker weltweit gespielt wird und die Zahl der Spieler international immer weiter zunimmt, während die Spieleranzahl in den USA eher zurückgeht. Die Zunahme der Spieleranzahl wird durch die internationalen Spieler aus Russland, Europa und Süd-Amerika erfolgen. Poker boomt weltweit, während die Spieleranzahlen in den USA leicht zurückgehen, aber der Live Final Table bringt neue Energien in die Sache. Die Zuschaueranzahl ist gestiegen. Die Leute werden die WSOP auch nächstes Jahr als großes Ereignis betrachten und wir erwarten, daß im nächsten Jahr mehr Spieler an der WSOP teilnehmen werden.

Nat Arem: Ich denke es werden weniger Spieler teilnehmen, wir werden erst demnächst einen Status Quo im Bezug auf die Regulierung von Online Poker erreichen. Die Online Poker-Rooms werden so schnell nicht in der Lage sein, ihre Spieler für die WSOP 2009 zu registrieren und wenn man noch die schlechte Wirtschaftslage mit in die Betrachtungen einbezieht, denke ich, wird dies mit Sicherheit dazu führen, daß die Teilnehmeranzahl im Jahr 2009 zurückgeht. Im Bezug auf die Wirtschaftkrise werden noch eine Menge Probleme auf uns zukommen. Das Ergebnis der WSOP wird insgesamt sicherlich zufrieden stellend sein, da eine der Auswirkungen der Wirtschaftskrise darin besteht, daß die Reichen immer noch reich bleiben und Leute welche bereit sind $10,000 für das WSOP Buy-In zu zahlen normalerweise zu den Reichen gehören. Ich denke die nächste WSOP wird ebenfalls erfolgreich sein.

Jeffrey Pollack: Wir befinden uns in einer Wirtschaftskrise, welche zu dramatischen Veränderungen bei den Gewohnheiten der Verbraucher und zu einer allgemeinen Verschlechterung der Gesamtstimmung führt. Bedingt durch Randbedingungen ist es sehr schwierig vorauszusagen, wieviele Spieler an der WSOP 2009 teilnehmen werden. Ich kann auch keine Vermutungen darüber anstellen. Das nächste Jahr könnte genauso gut schlecht wie gut werden, ich kann aber versprechen, daß wir die Events für die Teilnehmer optimal planen werden und genau daran arbeiten wir im Moment.

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