Schlaue Ungarn?
November 20, 2008, Lisa Horn

Trotz Lizenzierungspflicht blüht die Veranstaltung von privaten Poker-Turnieren in Ungarn. Getarnt als Sportveranstaltungen in Clubs, können weder die Veranstalter noch die Spieler/innen belangt werden – Grund dafür ist ein rechtliches Schlupfloch. Und nicht nur das, durch die „nicht offiziellen" Gewinne gibt es auch keine Versteuerung.
Das ungarische „InfoRadio" hat sich die Umstände einmal näher angesehen. Durch den Poker-Hype gibt es immer mehr private Poker-Turnier-Veranstalter – in Clubräumen, Gasthäusern oder sogar im eigenen Wohnzimmer. Trotz Lizenzierungen und Monopol können die Veranstalter und Teilnehmer fast nie belangt werden. Die Ursache liegt im ungarischen Glücksspielgesetz, denn ein Gesellschaftsspiel ist nur dann als Glücksspiel zu deklarieren, wenn drei Punkte erfüllt sind:
1.) Das Spiel muss zum Teil auf Glück beruhen
2.) Es muss ein Wetteinsatz getätigt werden
3.) Es muss sich um Geldgewinne handeln
Sieht man den privaten Turnierveranstaltern genau auf die Finger, wären alle diese drei Punkte erfüllt – das aber nachzuweisen ist eine andere Sache. Denn natürlich wird alles so gedreht und gewendet, dass einer dieser drei Punkte nicht erfüllt ist.
Diese Veranstaltungen werden für die lizenzierten Casinos schon zum echten Problem. Denn mittlerweile ist von tausenden Teilnehmern bei privaten Poker-„Sport"-Veranstaltungen die Rede. Von Spielerschutz ist hier keine Rede, denn letztendlich sind die Teilnehmer/innen den Vorgaben des/der Veranstalter/s komplett ausgeliefert.
Aber zumindest müssen dann die Gewinne von den Teilnehmer/innen nicht versteuert werden, d.h. versteuert werden müssten sie schon, aber angegeben werden sie nicht. Denn offiziell wird bei den privaten Turnieren kein Geld gewonnen. Das eingesetzte Geld dient als Mitgliedsbeitrag für den „Verein".
InfoRadio berichtet weiter, dass es eine Anfrage an das Finanzministerium gegeben hätte – man habe nachgefragt, ob denn von behördlicher Seite Schritte unternommen würden. Dem Ministerium sei die Sache zu wenig brisant und dringlich – hieß es in der Antwort.
Dabei ist dieser Wildwuchs möglicherweise bald nicht mehr nur ein Problem der Casinos, sondern auch für die Ungarn selbst. Denn die Absichten der Veranstalter sind nicht immer ehrenhaft, Poker steht dann nicht mehr im Mittelpunkt – sondern der Teilnehmer, der abgezockt werden soll. Ob sich dann das Steuern sparen wirklich auszahlt?
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