Richter lässt Milde walten
November 09, 2008, Lisa Horn

Zuerst Berlin, jetzt Hamburg – die Richter in Deutschland entscheiden pro Bundesland, wenn es um die Auslegung des neuen deutschen Glücksspiel-Staatsvertrages geht. Trotz eindeutigem Vergehen – nimmt man es mit den neuen Gesetzen ganz genau – gibt es vom Nordstedter Amtsgericht einen Freispruch für einen Poker-Turnierveranstalter.
Im 1. SC Norderstedt, nördlich von Hamburg, wurde schon seit einiger Zeit gepokert. Das Startgeld war mit € 15,- anberaumt – jener Einsatz, den erst vor Kurzem
das Berliner Verwaltungsgericht als unbedenklich eingestuft hatte. Das Hamburger Abendblatt berichtet über einen persönlichen Disput zwischen dem Angeklagten Julio S. (34) und Andreas Z. (42). Denn Andreas Z. fühlte sich vom Turnierveranstalter Julio S. betrogen und zeigte ihn beim Ordnungsamt an. Und das obwohl er selbst oft an den organisierten Turnieren im SC Norderstedt teilgenommen hatte.
Hintergrund der Anzeige sind nicht nur die € 15,-, denn diese waren der Einsatz pro Tisch und als Hauptgewinn soll es sogar einen Fiat Punto gegeben haben. Angeblich wären schon beim ersten Turnier 300 Poker-Begeisterte erschienen. Und weil es dann zu wenig Sachpreise gab, soll Julio S. begonnen haben Punkte zu vergeben. Mit einer gewissen Punkte-Anzahl gab es eine Art Gutschein für einen Sachpreis, z.B. 180 Punkte für eine Damen-Armbanduhr. Andreas Z. soll schon 750 Punkte erpokert haben und wollte seinen Gewinn dafür haben, angeblich soll Julio S. dies verweigert haben. Grund genug für Andreas Z. die Anzeige zu tätigen.
Der Fall kam vor Gericht – Verstoß gegen den neuen deutschen Glücksspiel-Staatsvertrag. Nach genauer Prüfung des Sachverhalts entschied das Gericht für einen klaren Freispruch von Julio S. – Andreas Z. konnte es nicht glauben. Das Gericht ließ Milde walten sprach keine Verurteilung aus. Der Rache-Feldzug von Andreas Z. ging ordentlich daneben.
Auch dieser Fall zeigt wie willkürlich die Urteilssprüche der Gerichte sind, wenn es um den neuen deutschen Glücksspiel-Staatsvertrag geht. Erst im September hat ein Gericht in Bayern ein ganz anderes Urteil gesprochen.
PokerNews hat darüber berichtet. Nun zeigt sich der Norden gütlich… gut für den Veranstalter, nur die generelle Lage bleibt mehr als unangenehm. Woran sollen sich Poker-Turnier-Veranstalter orientieren? Jedes private Turniervorhaben scheint ein Schritt ins Ungewisse zu sein …
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