Wenn man ihn mit seinen Gegenspielern vergleicht, hat der Final Table Teilnehmer Craig Marquis, unglaublich wenig Erfahrung in Live-Pokerturnieren. Marquis hat allerdings einige Erfahrung beim Online Pokern, im speziellen bei Full Tilt Poker, wo er unter dem Spielernamen "CraigMarq" spielt. Wie die meisten in seinem Alter – mit 23 Jahren ist er der zweitjüngste Spieler am Final Table – bevorzugt er es an seinem Computer Poker zu spielen und spielt 8 oder mehr Tische gleichzeitig. Marquis sagte einmal, daß ihm beim Online Poker das schnellere Tempo im Vergleich zu Live-Poker, besser gefallen würde. Beim Live Poker würde er die Konzentration verlieren und sich schnell ablenken lassen. Auf jeden Fall hat er es geschafft sich sieben Tage lang beim Live-Poker zu konzentrieren, hat sich gegen 6800 Gegenspieler durchgesetzt und sich seinen Platz am Final Table erkämpft. Und das Alles mit nur 1,5 Jahren Pokererfahrung.
Marquis, welcher an der Universität von Arlington/Texas Finanzwesen studiert, startete seine Pokerkarriere beim Online Poker mit 2$/4$ Cash Games und stieg relativ schnell zu 200$/400$ (..und höher) Cash Games auf. Seien Erfahrungen in Live-Turnieren beschränken sich auf die WSOP. Er spielte bei der 2007 WSOP und belegt beim 5.000$ PLHE den 34 Platz (14.030$), beim 1.000 NLHE belegte er Platz 30 (16.133$).
Bei der diesjährigen WSOP spielte er in insgesamt 17 Events, gewann aber nur 1 Mal ein Preisgeld, 5.596$ beim 1.500$ NLHE Shoutout (dieses Turnier fand kurz vor dem Main Event statt). Seine Zimmergenossen in Las Vegas, die Online Pros David "raptor" Benefield und Joe Commisso, hatten bei der WSOP vor dem Main Event, einen besseren Lauf und haben mehr Preisgelder gewonnen, als Marquis. Commisso hat sogar ein Bracelet beim NLHE 6-max Event gewonnen. Scheinbar hat Marquis sich sein Bestes bis zum Schluss aufbewahrt.
Man könnte annehmen, daß dieser Online Spieler seinen Sitz für das Main Event bei einem Online Satelliten gewonnen hätte, weit gefehlt – er hatte sich mit 10.000$ direkt in das Main Event eingekauft. Durch seine Platzierung am Final Table ist im jetzt schon ein Preisgeld in Höhe von 900.670$ sicher.
Es war Benefield, ein Studienkollege aus Texas (siehe auch Benefields Poker Blog), welcher Marquis fürs Pokern begeisterte. Marquis verdiente seinen Lebensunterhalt als Handyverkäufer, entschied sich aber schon kurz nachdem er gelernt hatte zu pokern, für eine Karriere als professioneller Pokerspieler. Schon kurze Zeit danach war er in der Lage mittlere und hohe Online Cash Games profitabel zu spielen. Während des Main Events trug Marquis eine dunkle Oakley Sonnenbrille und trank Unmengen Kaffee. Sein Spielstil zeichnet sich durch Konzentration und Überlegenungen aus, seine Entscheidungen trifft er auf Basis mathematischer Überlegungen.
Marquis beendete den Tag 1a mit 71.050 Chips, schaffte es aber an Tag 2a nicht sich zu verbessern und hatte danach nur noch 71.000 Chips zur Verfügung. Am Tag 3 hatte er ein Double-Up, so dass er diesen Tag mit 147.000 Chips beendete und in der Rangliste der verbleibenden 474 Spieler eine der letzten Positionen belegte. Doch dann wendete sich das Blatt zu seinen Gunsten, obwohl er am 4. Tag mit nur sehr wenig Chips startete, war er am Ende des Tages ganz vorne mit dabei - bei der Jagd auf das Bracelet.
Am Tag 4 hatte Marquis eine typische Begegnung mit Phil Hellmuth, wobei er „The Poker Brat" mit einem Paar 5er schlug, Phil konnte nur einen wenig eindrucksvollen King-High vorweisen. Hellmuth fing sofort an rumzubrüllen" Oh, dieser Idiot! callt einen Raise mit 7-5". Ein paar Hände später besiegte er Phil erneut, diesmal hatte er zwei Paar gefloppt und Hellmuth verhielt sich außergewöhnlich still. Durch seine guten Instinkte schaffte er es seinen Chip-Stack zum Ende des 4.Tages auf über 1 Millionen Chips auszubauen.
In der letzten Hand lagen 5-6-7-5-6 auf dem Board und Marquis musste die wichtigste Entscheidung überhaupt treffen, eine Entscheidung welche, dafür verantwortlich war, ob er im Turnier blieb oder nach Hause fahren konnte. Marquis überlegte einige Minuten, danach sagte er:" Ich denke nicht, daß Du was hast", "Ich bin momentan aber auch nicht viel besser". Es verging einige Zeit, dann sagte er." Ich habe noch 14 Big Blinds, das ist nicht so schlimm" und ging damit auf die Situation ein, wenn er die Hand in diesem Moment gefoldet hätte. Letztendlich callte er und sagte: "Ich habe Jacks, Du gewinnst", dann deckte er 
auf. Zur Überraschung von Marquis, zeigte sein Gegner die Karten nicht und er hatte die Hand gewonnen.
Am Ende vom 5. Tag hatte er 1.748.000 Chips und rollte am Tag 6 das Feld von hinten auf, er beendete den 6 Tag als zweiter in den Chip-Counts mit 11.460.000 Chips. Am Tag 7 gab es ein auf und ab – wobei es meistens allerdings ab ging. Nachdem er den ersten Pot des Tages gewonnen hatte und dabei über 1 Millionen Chips von Tiffany Michelle gewonnen hatte, kamen ganz viele Hände, welche nicht gut für Marquis liefen und man konnte zusehen, wie sein Chip-Stack immer kleiner wurde. In einer Hand hatte er ein re-raise auf 4,5 Millionen gemacht, woraufhin Ylon Schwartz ihn auf 16 Millionen re-re-raiste. Marquis passte und hatte nach dieser Hand nur noch 7,5 Millionen Chips. Da er noch einige weitere Hände verlor, hatte er zwischenzeitlich nur noch etwas mehr als 5 Millionen Chips.
Dann bekam Marquis zum richtigen Zeitpunkt die richtige Hand. Er ging gegen Dean Hamrick All-In. Marquis hatte 
und Hamrick lag mit 
vorne. Marquis benötigte ein As oder ein running Flush bzw. eine running Straight, damit er diese Hand noch gewinnen könnte. Der Flop kam mit 

. Und er bekam genau die Karten, welche ihm noch fehlten. Der Turn brachte die
und der River die
, Marquis hatte ein Flush und somit ein Double Up auf 11,2 Millionen Chips.
Marquis sollte sich noch als der Alptraum für Hamrick entpuppen. In der letzten Hand von Tag 7 ging Hamrick mit 3.420.000 Chips All-In, woraufhin Marquis ebenfalls All-In ging und zwar "Over the Top". Hamrick zeigte 
und Marquis hatte 
auf der Hand. Das Board brachte keine Verbesserung für Hamrick, somit war er auf dem undankbaren 10. Platz ausgeschieden und die Besetzung des Final Table stand fest.
Wenn Sich die November Nine im November wieder treffen, um den Final Table zu spielen, kann Marquis seine Chance nutzen und in die Fußstapfen von Hellmuth treten und zum jüngsten Main Event Gewinner aller Zeiten werden, aber nur wenn er es mit seinem vergleichsweise kleinen Stack (er belegt die zweitletzte Position in der Rangliste der Chip-Counts) schafft alle seine Gegner zu schlagen. Er scheint sich seiner Position aber sehr bewusst zu sein und sagte zu einem PokerNews Reporter: "Soweit im Main Event zu kommen, ist wie ein Lotteriegewinn". Das ist wohl wahr, aber das Main Event zu gewinnen, ist sicherlich noch um einiges besser.
Wir stellten Craig einige Fragen im Bezug auf den Final Table und zu einigen anderen Pokerthemen.
PokerNews: Craig, Sie haben mehr Bezug zu Online Poker als irgendein anderer Spieler am Final Table, wie hat Dir Deine Online Erfahrung dabei geholfen im Main Event soweit nach vorne zu kommen?
Craig Marquis: Ich denke, daß die große Anzahl von Händen, welche ich Online gespielt habe, sehr dazu beitragen hat mein Spiel zu verbessern. Wenn Sie Online Multi-Tablen, kommen Sie andauernd in unterschiedliche Situationen. Ich habe einige Freunde, welche zu den Top Online Spielern gehören, welche mich immer wieder mit Rat und Tat unterstützen. Wenn Sie andauernd Online spielen, erkennen Sie Setzmuster und Frequenzen viel besser.
PN: Während des Main Events gehörten Sie während der ersten drei Tage zum mittleren bzw. unteren Spielerfeld, bevor Sie es am 4. Tag schafften sich weit nach vorne zu bringen. Gab es eine Hand, welche für Sie entscheidend für ihren Erfolg am 4. Tag war?
Marquis: Es leif am 4.Tag wirklich gut, ich schaffte es alle meine Coin-Flips und eine Cooler zu gewinnen. Die wichtigste Hand im gesamten bisherigen Turnier war sicherlich die Hand welche ich gegen Brandon Cantu gespielt hatte, als ich seinen Bluff entdeckte und durch ihn verdoppeln konnte, was mich zum Chip-Leader des 6.Tages machte. Die beiden entscheidenden Hände gegen Dean Hamrick waren jedoch sicherlich fast genauso wichtig.
PN: Die Sache mit dem Coaching während der Pause bis zum Finale Table, wurde ja während den letzen Wochen heiß diskutiert. Sie sind eng mit einigen Spielern befreundet, welche sich bereits einen Namen als Poker-Coach gemacht haben, wie z.B. David Benefield und Joe Commisso. Was denken Sie über das Coaching und was sind ihre Pläne während der fast dreimonatigen Spielpause?
Marquis: Ich bin sehr glücklich darüber, daß ich mit einigen ausgezeichneten Spielern befreundet bin, denke aber, daß es zu Problemen kommen kann, wenn mach versucht den Spielstil eines anderen Spielers zu kopieren. Wenn man versucht den Spielstil eines anderen Spielers zu erlernen und dann zu kopieren, führt das eher zu Problemen, als damit Probleme gelöst werden könnten. Ich möchte damit sagen, daß ich mich definitiv mit meinen Freunden über Strategien unterhalten werde, ich mich aber von niemandem intensiv coachen lasse. Ich hab meinen eigenen Spielstil und der funktioniert ganz gut, deshalb werde ich daran nichts Grundlegendes verändern.
PN: Sie waren in die Hand verwickelt, welche entscheidend für die Besetzung des Final Table war und haben Dean Hamrick eliminiert, nachdem Sie in einer der vorhergehenden Hände bereits mit viel Glück gegen ihn gewonnen hatten. Was ging Ihnen bei der entscheidenden Hand durch den Kopf?
Marquis: Ich habe nur gehofft, daß kein As kommt. Es war ja schon irgendwie ironisch, daß wir in zwei Händen gegeneinander antreten mussten, wo wir jeweils die Karten hatten, welche unser Gegenspieler in der vorherigen Hand hatte und ich trotzdem beide Hände gewonnen habe.
PN: Was wissen Sie über ihre Gegenspieler am Final Table? Welcher hat Sie auf Ihrem Weg zum Final Table besonders beeindruckt?
Marquis: Unglücklicherweise ist jeder am Final Table besser als ich es mir eigentlich wünschte. Die Spieler, gegen welche ich am allerwenigsten im Heads-Up spielen möchte sind Ivan (Demidov) bzw. Peter (Eastgate), aber eigentlich ist jeder der Spieler hervorragend.
PN: Und nun die große Frage: "Was wäre wenn?" Wenn Sie gewinnen würden, hätten Sie Phil Hellmuth als jüngsten Gewinner des WSOP Main Events abgelöst. Was würden Sie zukünftig machen, wenn Sie das Main Event gewinnen sollten?
Marquis: Das ist schwierig zu sagen, ich würde aber definitiv alles dafür tun, um Werbung für Online Poker zu machen. Ich denke die Gewinner der letzten Jahre haben nichts in diese Richtung unternommen und da ich die meiste Zeit meiner Karriere überwiegend Online gespielt habe, möchte ich dem Online Poker etwas davon zurückgeben. Es wäre einfach unglaublich, wenn ich es schaffen würde Phil eine seiner Auszeichnungen abzujagen, da ich schon einige Hände gegen ihn gespielt habe und er dazu neigt eine Menge Unsinn am Spieltisch zu reden.
Nachfolgend sehen Sie Craig bei seinem Besuch bei PokerNews:
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