Oktober 10, 2008, Shari Geller

Kelly Kim ist sich bewusst, daß die Chancen für ihn nicht allzu gut sind. Der 31-Jahre alte Poker-Pro aus Whittier/Kalifornien (ein Vorort von Los Angeles), wird am Main Event Final Table mit nur 2.620.000 Chips sitzen. Wenn das Spiel wieder startet, werden von Level 33 noch 21 Minuten und 50 Sekunden übrig sein, die Blinds sind 120.000-240.000 und der Ante beträgt 30.000, somit hat Kim einen "M-Faktor" von nur 4. Für Kim ist All-In oder Fold ist angesagt. Aber wer Kim kennt oder ihn während der letzten Tage des Events beim Spiel beobachtet hat, der weis, daß man Kim nicht einfach so abschreiben sollte.
Der gebürtige Kalifornier Kim war auf dem letzten Platz als das Turnier an Tag 7 mit 14 Spielern startete. Als sich die Final Table Bubble näherte, schaffte er es seinen Micro-Chip-Stack gut zu hüten und vier Spieler zu überleben. Er wartete geduldig, legte sich mit den Big-Stacks nur an, wenn er eine gute Hand hatte und benutzte seine verbleibenden Chips um ab und an die Blinds und den Ante zu stehlen. Er beobachtete wie von den anderen Spieler einer nach dem anderen ausschied und er dem Final Table immer näher kam. Seine Geduld und seine Hartnäckigkeit zahlten sich aus, als Dean Hamrick auf Platz 10 ausschied, nun war ihm ein Platz am Final Table sicher und er war mit dabei bei der Jagd auf die 9 Millionen Dollar Preisgeld für Platz 1. Er hat den Ruf ein hervorragender Short-Stack Spieler zu sein, Kim hat zwar nicht mehr so viele Chips, aber er ist noch lange nicht raus. Kurz nachdem er den Final Table erreicht hatte, sagte er zu einem der Reporter:" offensichtlich befinde ich mich in einer kritischen Situation, aber ich werde schon früh verdoppeln oder verdreifachen, dann wird es etwas einfacher werden".
Kim, welcher unter dem Screen-Name "KK," spielt, spielte das erste Mal im Jahr 1995 während seines Studiums an der UC San Diego Poker. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Marketing und Business-Analyst, aber nach einigen Jahren gab er seinen Job auf, um Vollzeit Poker zu spielen. Im Jahr 2003 gehörte er zum festen Bestandteil der Pokerszene in Los Angeles, wobei er meisten NLHE Turniere spielte. Er hatte einen guten Start und gewann im Juli 2003 das Grand Slam of Poker NLHE Event im Hustler Casino. Im Heads-Up besiegte er Chad Brown, für seinen Sieg erhielt er ein Preisgeld in Höhe von 21.990$.
Seit dieser Zeit hat Kim bei über 35 großen Turnieren Preisgelder gewonnen und bei Live Turnieren mehr als 350.000$ gewonnen. Zu seinen großen Erfolgen, zählen unter anderem zwei Preisgelder bei der WSOP 2007 und acht Mal Preisgeld bei World Poker Tour Events. Sein höchstes bisheriges Preisgeld hatte er im Jahr 2006 bei einem NLHE L.A. Poker Classic Event gewonnen, bei welchem er den 3. Platz (62.201$) belegte. Nur 11 Tage später gewann er erneut ein Preisgeld, diesmal bei den LAPC Championships, für seinen 17. Platz erhielt er ein Preisgeld in Höhe von 46.502$.
Kim hat seit dem Jahr 2003 in jedem WSOP Main Event gespielt und das Erreichen des Final-Table im Jahr 2008 ist sicherlich sein bisher größter Poker-Erfolg. Als solider, tighter Spieler, ist er sehr stolz darauf den Main-Event Final Table erreicht zu haben. "Ich habe mein Ziel bereits erreicht und alles andere ist mir momentan egal". Während der Pause bis zum Start des Final Table, spielt Kim sowohl Online, als auch bei Live-Turnieren. Er gewann im August beim Event# 13 der Legends of Poker Turnier Serie im Bicycle Casino/L.A. ein Preisgeld in Höhe von 10.650$ (Platz 4).
Vor kurzem stellte er mal wieder sein Talent für das Short—Stack Spiel unter Beweis. Er spielte im 535$ Buy-In Main Event der Full Tilt Online Poker Series, bei welchem der Preispool in Höhe von 2,5 Millionen Dollar garantiert wird. Nach 9 Stunden Spiel, gehörte Kim zu den Short-Stacks, er war zweitletzter von insgesamt 34 verbleibenden Spielern. Wenn er zu diesem Zeitpunkt ausgeschieden wäre, hätte er ein Preisgeld in Höhe von 7.500$ erhalten. Aber Kim wartete ab, spielte vorsichtig, hütete seinen Stack und wartete auf den richtigen Moment. Er wartete weiter während 17 andere Spieler vor ihm ausschieden. Letztendlich belegte er den 16. Platz, was sich beim Preisgeld deutlich bemerkbar machte.
Kim unterhielt sich mit PokerNews über den kommenden WSOP Final Table. Nachfolgend finden Sie das Interview:
PokerNews: Kelly, als die Final Table Bubble sich langsam näherte, sah es zuerst so aus, als würden Sie auf dem unglücklichen 10 Platz ausscheiden, schafften es aber letztendlich doch noch bis an den Final Table. Was haben Sie empfunden, als die entscheidende Hand gespielt wurde.
Kelly Kim: Ich fühlte mich ekstatisch und gleichzeitig erleichtert. Ich war mir meiner Situation zu jedem Zeitpunkt voll bewusst und wusste auch, daß ich der Spieler war, welcher am wichtigsten Final Table der Geschichte auf der Bubble ausscheiden könnte. Die Gefühle in diesem Moment kann ich mit Worten nicht beschreiben.
PN: Sie gehen zwar als Short-Stack an den Final Table, aber die Geschichte hat uns gelernt, daß jeder Spieler am Final Table eine realistische Chance hat den Final Table zu gewinnen. Was dachten Sie in dem Moment, als Sie bereit waren, alle ihre Chips in die Tischmitte zu schieben?
KK: Ich weis, daß ich eine Menge All-In Konfrontationen gewinnen muss, um weiter im Spiel zu bleiben. Ich muss also schnellstmöglich gute Karten bekommen und kann dann nur hoffen, daß die Hand hält und ich die letztendlich die besten Karten habe. Wenn ich es schaffe zu verdoppeln oder zu verdreifachen, wird sich die Dynamik sicherlich verändern
PN: Hat sich ihr Leben verändert seit Sie zu den November Nine gehören?
KK: Mein Leben hat sich außerhalb der Pokerwelt nicht all zu sehr verändert. Aus der Pokerszene habe ich jede Menge Glückwünsche erhalten. Ich habe eine Menge Radio Interviews gegeben und auch einige Video Interviews. Es ist irgendwie unwirklich, wenn man so hart für eine Sache gearbeitet hat und sich der Traum dann eines Tages wirklich erfüllt.
PN: Im Bezug auf die Pause von 117 Tagen, bis zum Start des Final Tabe, wurde immer wieder das Thema professionelles Coaching angesprochen. Dennis Phillips hat öffentlich bekannt gegeben, daß er durch Roy Winston's Oracle Consulting coachen lässt. Was denken Sie über die Sache mit dem Coaching?
KK: Ich habe dazu eine ähnliche Einstellung wie Dennis. Ich denke es schadet nicht und kann eigentlich nur hilfreich sein. Jeder von uns hat die gleichen Möglichkeiten um sich Unterstützung zu suchen, welche ihnen dabei helfen könnte ihr Spiel zu verbessern. Meine Situation ist irgendwie einzigartig. Ich weis, daß ich zu den Short-Stacks gehöre und meine Chance darin besteht, zu warten bis sich eine Situation ergibt, bei welcher ich All-In gehen und meinen Chip-Stack verdoppeln kann. Ich weis nicht, wie mir in dieser Situation irgendjemand etwas beibringen könnte, was ich noch nicht weis (vielleicht abgesehen von einigen kleinen Details). Ich muss nur geduldig sein und solange warten bis dich für mich die optimale Situation ergibt.
PN: Mal abgesehen von der letzten Hand bei welcher Den Hamrick eliminiert wurde – was war für Sie der entscheidende Punkt bei ihrem Weg zum Final Table?
KK: Am Tag 6, ich habe Q-Q gefoldet, das Board war 7-5-3-7-2. Jemand setzte 1 Million in einen 3,6 Millionen Pot. Ich musste meine ganze Kraft zusammen nehmen und habe gefoldet. Als ich meine Hand wegwarf, zeigte mein Gegenspieler mir 7-Quads. An diesem Punkt wusste ich, daß ich auf dem richtigen Weg.
PN: Bevor Sie zum Poker-Profi wurden, haben Sie als "Marketing/Business Analyst" gearbeitet. Weshalb haben Sie sich entschlossen ihren Beruf aufzugeben und hauptberuflich Poker zu spielen?
KK: Schon während des College an der UC San Diego habe ich mich sehr viel mit Poker beschäftigt. Ich spielte in einem Indianerreservat in der Nähe von San Diego. In meinen Anfängerjahren, spielte ich nur Teilzeit, um mein Gehalt etwas aufzubessern, während meine Freunde aus dem gleichen Grund Praktikumstellen annehmen mussten. Während ich als Business Analyst für Toshiba America Information Systems arbeitete, spielte ich nebenbei immer noch 15 – 20 Stunden Poker pro Woche. Während dieser Zeit sammelte ich Erfahrungen und nach drei Jahren hatte ich das Gefühl, daß es nun an der Zeit war, hauptberuflich Poker zu spielen. Es war sehr schwierig den Beruf zu wechseln, da es beim Pokern einen großen Ungewissheitsfaktor gibt. Mit anderen Worten, wenn ich anfing zu spielen, konnte ich nie voraussagen, ob ich am Ende des Spiels mehr Geld oder weniger Geld als vorher haben würde. Ich musste das ganze also sehr geschäftsmäßig anpacken und meinen Bankroll sehr gut managen. Es ist eine schwierige Entscheidung auf die regelmäßigen Gehaltszahlungen zu verzichten und dafür hauptberuflich Poker zu spielen. Heute bin ich froh darüber, daß ich es getan habe.
PN: Durch die fast 1 Million Dollar garantierte Gewinnsumme (welche bereits ausgezahlt wurde)hat sich ihr Leben unwiderruflich verändert. Aber…was ist wenn? Wenn Sie gewinnen würden, was wären ihre anderen Träume und welche Pläne würden Sie zukünftig verwirklichen?
KK: Erstens möchte ich ein guter Botschafter des Spiels sein, welches ich so liebe. Ich möchte mich außerdem für die Wohltätigkeit engagieren. Es war schon immer meine Passion anderen Menschen dabei zu helfen, ihr Leben zu verändern, wenn es notwendig werden sollte. Ich werde natürlich meine Familie unterstützen. Mein Vater hat sein ganzes Leben lang schwer gearbeitet und ich möchte ihm einen geruhsamen Lebensabend ermöglichen. Außerdem werde ich natürlich eine Menge des Geldes investieren.
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