Oktober 23, 2008, Martin Harris

Es sind nur noch drei Wochen bis zum Final Table des World Series of Poker Main Events 2008. Gerade hat ESPN bekannt gegeben, daß der Final Table am 11. November quasi Live übertragen wird, insgesamt werden 21 Stunden Aufzeichnung übertragen (inklusive eines einstündigen Final Table Previews, welches am 04.November ausgestrahlt werden soll). Also ganz anders als in den frühen Tagen der WSOP, als eine halbe Stunde Berichterstattung über das Main Event schon ein großer Schritt nach vorne für die Akzeptanz des Pokerspiels durch die Allgemeinheit war.
In den späten 70ern, entschloss sich eins der großen Netzwerke, CBS, dem Poker eine Chance zu geben, ein größeres Publikum zu erreichen. Obwohl das Experiment damals scheiterte, ist es sehr interessant sich diese Zeitperiode, in welcher versucht wurde das Pokern aus einer Grauzone in das Rampenlicht der Popkultur zu bringen.
Die Sport-Show: Vielleicht ein Ausstrahlungsplatz für Poker?
Im Jahr 1960 startete CBS mit der Ausstrahlung von "CBS Sports Spectacular" eine wöchentliche Sportshow, ähnlich wie ABC's "Wide World of Sports" (welche ein Jahr später startete). Beide Shows berichteten über eine Vielzahl verschiedener Sportarten, von welchen einige ansonsten kaum bzw. nur sehr selten im TV zu sehen waren. In der Show wurde über Mainstream Sportarten berichtet, wie z.B. Bowling, Boxen und Pferderennen, aber auch über außergewöhnliche Sportarten, wie Hurling, Jai-Alai, Rodeo und Demolition Derby. Außerdem wurde regelmäßig über die üblichen olympischen Sportarten, Skifahren und Kunstturnen berichtet.
Viele der Beiträge in diesen Sportshows wurden in Form von Highlights präsentiert. Bei dieser Art der Präsentation wird nicht das gesamte Ereignis übertragen sondern es werden die Höhepunkte zusammengestellt und den Zuschauern in kompakter Form präsentiert. Der Sieg von Amarillo Slim bei der WSOP 1972 hat sehr zu der Popularität der WSOP beigetragen. Die gestiegene Popularität führte dazu, daß CBS eine Film-Crew ins Binion's schickte, welche eine 47 Minuten lange Dokumentation über die WSOP 1973 aufzeichnete, welche dann in mehreren Teilen im Rahmen von "CBS Sports Spectacular" ausgestrahlt wurde.
Im Laufe der nächsten vier Jahre wurden sowohl bei "CBS Sports Spectacular", als auch bei ABC's "Wide World of Sports" immer wieder WSOP-Clips ausgestrahlt. Im Jahr 1978 entschied CBS erneut ein WSOP-Special aufzuzeichnen und im Rahmen einer halbstündigen TV-Übertragung auszustrahlen. Ein Hauptgrund für diese Entscheidung, war die Tatsache, daß CBS zu diesem Zeitpunkt einen neuen Reporter eingestellt hatte, einen Reporter aus Las Vegas, welcher in den nächsten Jahren zum festen Bestandteil des Networks werden sollte.
Jimmy der Grieche
Geboren wurde Dimetrios Georgos Synodinos in Ohio, seine Familie siedelte aber wieder zurück auf die griechische Insel Chios. Im Jahr 1950 machte sich Jimmy "the Greek" Snyder in Las Vegas einen Namen als Quotenmacher bei der wöchentlichen Pro Football Sendung. Er hatte in der Vergangenheit bereits Gambling-Erfahrung gesammelt und war mit Jack Binion und einigen anderen Top Poker Pros befreundet, welche sich ab dem Jahr 1970 jeden Frühling im Binions trafen um in der WSOP zu spielen.
Snyder spielte ab dem Beginn der WSOP eine aktive Rolle bei der Förderung der WSOP und wettete jedes Jahr auf die Teilnehmer der WSOP. Im Jahr 1973 regte er CBS an eine Dokumentation über die WSOP zu drehen (welche von Ihm präsentiert wird). Snyder war in der Pokerszene so bekannt, daß er ein Vorwort für Doyle Brunson's Buch How I Made Over $1.000.000 Playing Poker (welches später in Super System umbenannt wurde) schreiben durfte. Darin beschreibt Snyder weshalb er für Brunson's Nickname "Dolly" verantwortlich war. Snyder hatte den Namen "Doyle" nicht richtig verstanden und dachte er hätte "Doy-Lee" gehört. In dem Vorwort schrieb Snyder auch, daß er der Meinung ist, daß das Buch von Brunson das Zeug hätte zu einem All-Time Poker Klassiker zu werden.
Jüngere Spieler, welche heute Brunson's Buch "Super System" lesen, können mit dem Namen Snyder meistens nicht mehr viel anfangen, ältere Leser wissen aber, daß er 12 Jahre lang Co-Moderator in der CBS "NFL Today" Pre-Game Show war. Im Jahr 1976 wurde Snyder von CBS angestellt, um in der Show aktiv teilzunehmen und die Spiele entsprechend zu dokumentieren. Obwohl nicht jeder seine Teilnahme an der Show gut fand – waren viele der Meinung daß der Sender damit ein taktisches Manöver gemacht hätte, um die Sache mit dem Glücksspiel nach vorne zu bringen. – seine wöchentliche Zusammenfassung der Spiele im Rahmen von "NFL Today" waren ein entscheidender Faktor, warum diese NFL Pre-Game Show sich zu der populärsten Pre-Game Show in den 70ern und 80ern entwickelte.
Snyder's Verbindungen nach Las Vegas führten dazu, daß CBS sich entschloss die Sache mit der WSOP nach ein weiteres Mal an zu packen. Er und der "NFL Today" Gastgeber Brent Musburger moderierten im Jahr 1978 ein halbstündiges Special über das WSOP Main Event, welches dann bei "CBS Sports Spectacular" übertragen wurde. Viele andere Sportarten hatten es zu diesem Zeitpunkt bereits geschafft, ihre eigenen Sendungen zu bekommen. Da Bowling populär genug war und sich bereits einige Shows mit diesem Thema beschäftigten, schloss ABC einen Vertrag mit der Pro Bowler Tour ab. Brunson hatte zwei Mal hintereinander das WSOP Main-Event gewonnen (und das Buch Super/System war in Arbeit). War dies der richtige Zeitpunkt, um beim Poker ähnlich vorzugehen?
Die WSOP 1978 on CBS
Das Jahr 1978 war das erste Jahr in welchem beim Main Event nicht nach dem "Winner-Take-it-All" Prinzip. Die Top 5 der insgesamt 42 Teilnehmer gewannen ein Preisgeld, wobei der Gewinner 50% des Gesamtpreispools erhielt (im Jahr 1978 erheilt der Gewinner 210.000$). Diese Entscheidung wurde direkt durch CBS initiiert. CBS war der Meinung, daß diese Preisstruktur für die Popularität von Poker vorteilhaft wäre (wobei dies nur eine der vielen Änderungen war, welche vorgenommen wurden, seit die WSOP im TV übertragen wird).
Die CBS Berichterstattung beschäftigte sich mit dem 6-Handed Spiel am Final Table und startete mit einem Interview, welches Musburger mit Crandral Addington führte. Während Sie vor einem CBS Sports Banner in der Poker Hall of Fame standen, befragte Musburger den Poker-Pro Addington, welche Strategie er angewendet hat, um an den Final Table zu kommen. "Dazu erzähle ich ihnen im Moment besser nicht, Brent" scherzte Addington" Vielleicht sitzt ja irgendjemand vor dem Monitor und schaut uns zu – einer meiner Gegenspieler!".
Es wurden diverse Hände gezeigt, inklusive der Hände, bei welchen Spieler ausschieden bis letztendlich nur noch Addington und Bobby Baldwin im Heads-Up übrig waren. In einem weiteren Interview befragte Musburger die Spieler Puggy Pearson und Johnny Moss über den Einfluss von jungen Spielern auf die Pokerszene. Ein Blick in die Zukunft, da Baldwin kurz danach im Alter von 27 Jahren, zum jüngsten bisherigen WSOP Gewinner werden sollte. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung, wurden auch schon bei den ersten WSOP Übertragungen bei einigen Händen die Hole-Cards gezeigt. Da die Kommentare der Moderatoren, erst nach der Aufzeichnung hinzugefügt wurden, wussten Snyder und Musburger, was die Spieler auf den Händen hatten und konnten die einzelnen Hände entsprechend kommentieren.
Snyder's Kommentare belegten sein fundiertes Pokerwissen, wobei Musburger sich ebenfalls durch fachkundige Kommentare auszeichnete.
Die WSOP 1979 bei CBS
Im Jahr 1979 übernahm Frank Giebler, welcher schon seit den 60'ern für CBS arbeitete, den Platz von Musburger und moderierte zusammen mit Schneider die einstündige WSOP-Übertragung. Der legendäre Billard-Spieler und Gambler Minnesota Fats (Rudolf Wanderone) war als Kommentator ebenfalls mit von der Partie. Die Übertragung startete mit einer kurzen Vorstellung der WSOP 1979 Spieler, wobei die Vorstellung damit endete, daß Amarillo Slim Preston gezeigt wurde, wie er mit einem Pferd über die Freemont Street riet. Der Soundtrack dazu war Kenny Roger's Hit aus dem Jahr 1978 "The Gambler" (Rogers sang diesen Song in diesem Jahr erneut im Binions).
Das eigentliche Programm startete dann mit einem Wortwechsel zwischen Glieber und Snyder, bei welchem Glieber seinen Kollegen fragte, wer den nach seiner Meinung die diesjährige WSOP gewinnen würde. "Das wird immer schwieriger" antwortete Snyder und merkte an, daß in diesem Jahr immer mehr Amateure an diesem Event teilnahmen. Und wieder hatte er etwas vorhergesagt, da in diesem Jahr die WSOP das erste Mal von einem Amateur gewonnen wurde – Hal Fowler.
Insgesamt war die Übertragung in diesem Jahr glanzvoller als die Main Event Übertragungen der vorherigen Jahre. Es gab zu Beginn einige hilfreiche Erklärungen im Bezug auf das Spiel. Nachdem einige Spieler vorgestellt wurden, startete die Übertragung mit der ersten Hand, danach wurden die Höhepunkte des Events bis zur letzten Hand gezeigt, in welcher sich der Amateur Fowler mit einer Straight gegen Bobby Hoff's A-A den Sieg sicherte.
Die Aufzeichnungen der WSOP 1979 lief reibungsloser ab, als die Aufzeichnung im Jahr 1978. Die Reibereien im Gedränge an den Spieltischen zwischen der Kamera-Crew und den Reportern blieben im Jahr 1979 überwiegend aus. Es gab kein so großes Gedränge an den Spieltischen
Nachwirkungen: Die Networks verlieren das Interesse
Als ESPN im September des Jahres einem Network startete, auf welchem 24 Stunden Sportübertragungen gesendet wurden, waren die guten Zeiten für die wöchentlichen Sport-Shows beendet. Obwohl "CBS Sports Spectacular" und ABC's "Wide World of Sports" noch einige Jahre lang ausgestrahlt wurden, sicherte sich ESPN den Platz als Nummer 1 der Anbieter von Sportübertragungen.
Alle drei großen Networks (CBS, ABC, NBC) berichteten in den frühen 80ern regelmäßig über die WSOP, wobei ABC die umfangreichste Übertragung produzierte, welche von Curt Gowdy und Bobby Baldwin moderiert wurde. Als die WSOP 1983 von Tom McEvoy gewonnen wurde, einem Spieler, welcher sich durch ein Satellite für die WSOP qualifiziert hatte, wollten die großen Networks kein Poker mehr übertragen.
Anfang des Jahres 1988 wurde Jimmy "the Greek" von CBS gefeuert, weil er eine rassistische Bemerkung gegen einige schwarze Sportler gemacht hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren die großen Networks die Idee der Pokerübertragungen bereits aufgegeben und ESPN startete mit den ersten WSOP Specials – eine einstündige Show, bei welcher die Höhepunkte des Spiels am Final Table gezeigt wurden und zwar ab dem Zeitpunkt, wenn nur noch 6 Spieler am Final Table übrig waren.
Wie die Zeiten sich doch geändert haben!
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