Bwin kommt nicht aus den Schlagzeilen, nach der „Bespitzelungs-Affäre " jetzt die nächste Meldung. Das österreichische Nachrichtenmagazin „profil" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass bwin beim Erwerb einer Türkischen Wett- und Glücksspiellizenz Lizenz einer Betrügerbande aufgesessen sei – der Verlust beträgt sich auf € 2,25 Millionen.<br>
Im März 2007 wurden in der Türkei die Gesetze geändert, nur mehr mit einer Lizenz ist das Anbieten von Wetten- und Glücksspielen erlaubt. Für bwin ein herber Einschnitt, war doch der türkische Markt äußerst lukrativ. Daher wollte bwin so schnell wie möglich eine solche Lizenz erwerben. Der jetzige bwin Presse-Sprecher Kevin O'Neil war zum damaligen Zeitpunkt noch „Business Development Menager" und wurde beauftragt sich um eine türkische Lizenz zu kümmern. <br>
Die für Sportwettlizenzen zuständige Körperschaft des Sportministeriums (Spor Toto) konnte bwin nicht das bieten was gesucht wurde. Denn Spor Toto hätte nur eine sogenannte IDDAA-Lizenz vergeben können. Mit dieser wäre aber lediglich die Erlaubnis für eine Toto-Annahmestelle gegeben. Also versuchte O'Neil neuerlich Kontakte zu finden, die den Kauf einer türkischen Lizenz ermöglichen konnten. <br>
Laut „profil" war es Eric Voerman, ein Mitarbeiter von Wolfgang Bachlers Sicherheitsfirma, der den Kontakt zu Gerad Binder herstellte. Jene Firma, die auch in die „Bespitzelungsaffäre" verwickelt ist. Frau Binder, eine Österreicherin, sei eine gute Freundin von Voerman und hätte gute politische Kontakte – hieß es. O'Neil reiste im Juni 2007 in die Türkei um diese „Kontakte" von Frau Binder kennenzulernen. Angeblich waren alle honorige und einflussreiche Leute - aus Business, Geheimdienst und anderen „wichtigen" Bereichen. O'Neil wurde überzeugt, dass diese Personen die Richtigen seien, eine Lizenz für bwin zu besorgen. <br>
Nachdem O'Neil überzeugt war, wurde seitens Voermann und Binder Druck auf bwin ausgeübt. Denn aufgrund der Parlamentswahlen am 22. Juli 2007 wisse niemand, ob der Einfluss, dieser bereits vorgestellten Personen, wirklich bestehen bleiben würde. Es kam zu einem direkten Angebot durch Voermann. Man wolle für eine 10-Jahres-Lizenz € 3,25 Millionen haben - € 2,25 Millionen sofort, der Rest aufgeteilt in jährlich € 100.000. <br>
O'Neil holte sich das Einverständnis der bwin Vorstände und willigte in den vorgeschlagenen Deal ein. Noch vor Lizenzerteilung sollten die € 2,25 Millionen, laut Frau Binder, überwiesen werden. Danach würde sich ihr ehemaliger Lebensgefährte Friedrich Jarosch um die Lizenzvermittlung kümmern. Seine Firma Cort International Establishment in Liechtenstein würde die Überweisung abwickeln. Bwin überwies die €2,25 Millionen in gutem Glauben. <br>
Das „profil" berichtet weiter, dass sich nach der Überweisung alles nur mehr verzögerte. Ein reger Austausch zwischen Österreich und der Türkei half auch nichts. Die Wahlen rückten näher, die Lizenz immer noch nicht am Tisch. Auch nach den Wahlen – keine Sportwetten-Lizenz. Von Voermann und Binder fehlte zu diesem Zeitpunkt schon jede Spur. „Private Vermittler" wurden laut „profil" beauftragt um der Sache nachzugehen. <br>
Am 12. September 2007 flatterte endlich eine Lizenz ins Haus, allerdings auf türkisch. Nach der Übersetzung war klar, dass es sich lediglich um eine Lizenz für eine Lotto-Annahmestelle handelte. Bwin beanstandete das Papier, denn genau das wolle man ja nicht. Nur kurze Zeit später ein neues Dokument, diesmal wäre es eine Sportwetten-Lizenz gewesen, aber es war eine Fälschung. Auf die Forderung, die € 2,25 Millionen zurückzuzahlen kam keine Reaktion. <br>
Bwin zeigte daraufhin Gerad Binder, Eric Voermann und Friedrich Jarosch an. Diese beteuerten bei den ersten Einvernahmen, dass das Geld bereits verteilt wurde und man das auch nicht mehr zurückholen könne. Das Geld sei „weg" - für Kontaktleute in der Türkei und Spesen. <br>
In einer schriftlichen Stellungnahme von bwin an das „profil" wurde der „Geldfluss" durch Akteneinsicht beim Gericht Liechtenstein rekonstruiert: <br>
„[…] bereits einen Tag nach der Überweisung des Erfolgshonorars wurde etwa die Hälfte in die Türkei weitergeleitet. Weiters wurde ein beträchtlicher Betrag an Frau Binder überwiesen, die wiederum einen Teil „an eine arabische Gesellschaft weitergeleitet hat", sowie an Frau Sylvia O., die Lebensgefährtin von Voerman." <br>
Das Geld von bwin war also uneinbringbar… Im Gespräch mit „profil" weist Voermann alle Vorwürfe zurück – „er habe nichts genommen und nichts bekommen" heißt es. <br>
Der Anwalt von Gerda Binder berichtet über eine Anzeige von Spor Toto. Man erhebe schwere Vorwürfe gegen O'Neil und Serif Hökelekli (gemeinsam mit ihm gründete O'Neil eine Firma in der Türkei – eine Voraussetzung um eine Lizenz zu bekommen hieß es). Der Vorwurf von Urkundenfälschung und Beamtenbeeinflussung steht im Raum, es gebe sogar schon einen Haftbefehl. <br>
Davon weiß wiederum O'Neil nichts, ihm sei nicht bekannt, dass in der Türkei ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde. <br>
Eine verworrene Geschichte – wäre es ein Film, man würde es fast nicht glauben… bwin ist anscheinend einer gut organisierten Betrügerbande aufgesessen. <br>
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