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Poker & Pop Kultur: Amarillo Slim zu Gast bei Johnny Carson

Wenn wir das Geburtsjahr der World Series of Poker, das Jahr 1970, als die Geburtsstunde des professionellen Pokers betrachten, dann war das auftauchen eines der ersten WSOP Champions, Thomas Austin "Amarillo Slim" Preston, ebenfalls ein Ereignis, welches Auswirkungen auf die gesamte Pokerszene haben sollte. Wenn wir uns diese Aera im gesamten ansehen, dann war Preston mit Sicherheit das erste Beispiel für einen professionellen Pokerspieler, welcher sehr sich eine große Popularität erarbeitete. Er war in der gesamten Pokerwelt als Botschafter des Pokerspiels bestens bekannt.

Die Geschichte der Transformierung im Laufe welcher der Selbstdarsteller und Schnellredner Preston – auf jeden Fall für eine längere Zeit – zum "Gesicht des Pokersports" wurde, wird durch ein bestimmtes Ereignis geprägt, nämlich die Teilnahme von Preston an der populärsten Late Night Talk Show Amerikas, der "Tonight Show" mit Johnny Carson.

Die WSOP 1972 – Warum wäre es besser wenn SLIM gewinnt?
"Die wussten ganz genau, daß es keine Publicity geben würde, wenn Doyle gewinnen würde… ich will damit Doyle nicht schlecht machen, aber zu dieser Zeit war Doyle kein sehr gesprächiger Mensch. Puggy war ebenfalls keine gute Wahl, da mindestens die Hälfte der Leute, welche er im Laufe der letzten Jahre abgezockt hatte, einige Dinge dazu zu sagen gehabt hätten. Somit war ich ausgewählt das Turnier zu gewinnen".

Dies sagte "Amarillo Slim" Preston zu Des Wilson im Rahmen eines Kommentars zum Thema World Series of Poker Main Event 1972 in Ghosts at the Table (2008). Er sprach die Wahrheit im Bezug auf eine Sache aus, über welche schon seit Jahren immer wieder an den Final Table der WSOP diskutiert wird.

Es war erst die dritte WSOP im Binion's Horseshoe und die Veranstaltung war noch sehr "bescheiden", es nahmen nur wenige Spieler teil und die (meistens lokalen) Medien zeigten nur wenig Interesse an dieser Veranstaltung. Am Main Event nahmen in diesem Jahr acht Poker-Pro's teil, jeder von ihnen bezahlte den Buy-In in Höhe von 5.000$ aus eigener Tasche. Um ein wenig Werbung für die WSOP und das Horseshoe zu machen, gab Benny Binion noch mal 5.000$ Preisgeld pro Spieler extra dazu, somit betrug das Preisgeld für den Gewinner dieses "The Winner take it All" Events insgesamt 80.000$. Die Höhe des Preispools sorgte für genügend Aufmerksamkeit bei den Spielern, daß jedem klar war, daß, egal wie dieses Turnier letztendlich enden würde, die Geschichte der WSOP 1972 hinter der Fremont Street geschrieben wurde.

Nach dem ersten Spieltag verblieben von den anfänglich 8 Spielern noch 4 Spieler im Turnier - Doyle Brunson, Puggy Pearson, Jack Straus und Preston. In den frühen Stunden des zweiten Tages schied Straus auf Platz 4 aus. Danach begann eine heftige Diskussion zwischen den verbleibenden Spielern.

Was die Spieler diskutierten, war eine Sache, welche schon vorher Thema vieler heftigen Debatten war. Person und Brunson sprachen ihre Bedenken im Bezug auf eine mögliche, negative Publicity aus – wobei man nicht vergessen sollte, daß ein Beauftragter der IRS bekannt gegeben hatte, daß der Gewinner dieses Turniers zum World Champion of Poker gekrönt werden sollte. Wir wissen ja mittlerweile, daß Brunson die Konsequenzen zog. Nachdem er sich selbst eine Magenunpässlichkeit diagnostizierte, wurde ihm erlaubt sich sein Geld (errechnet aus der Anzahl seiner Chips) auszahlen zu lassen, ein Betrag, welcher laut Wilson 40.000$ betrug, wobei andere Quellen behaupten, daß die Summe ca. 20.000$ betrug.

Pearsen und Preston verblieben im Heads-Up und kämpften um die Restsumme, wobei Preston letztendlich in der entscheidenden Hand seinen Konkurrenten Pearson mit King-Jack gegen 6-6- besiegte. Während Brunson und einige Andere der Meinung waren, daß Preston der legitime Gewinner der WSOP gewesen war, ist Preston der Meinung (wie er in Wilsons Buch und bei einigen anderen Gelegenheiten verlautbarte)daß er eventuell von Binions (und einigen anderen Verantwortlichen) ausgewählt worden war, das Turnier zu gewinnen, um das Ansehen der WSOP in der Öffentlichkeit zu verbessern.

Was immer auch wirklich bei den entscheidenden Händen am Finale Table der WSOP 1972 vor sich ging, Preston war mehr als bereit die Herausforderung anzunehmen und zu einer Art inoffiziellem Sprecher für Poker zu werden. Preston sagt in seinen Memoiren (geschrieben von Greg Dinkin), Amarillo Slim in a World of Fat People (2003), daß Benny Binion ihn im Grunde genommen mit allen Mitteln gepusht hatte. Preston merkt an daß Binion im Bezug auf den Status des Pokerns in der Mainstream Kultur gesagt hatte: "Slim… du bist der einzige Hurensohn, welcher Pokern aus dem Schmutz herausziehen kann".

Hier ist Johnny!
Einen Monat nach seinem WSOP Triumph, wurde Preston zur Tonight Show mit Johnny Carson am 16.Juni 1972 eingeladen. Die Show war gerade von New York nach Burbank/Kalifornien umgezogen, wo sie dann auch während der gesamten Zeit in welcher Carson moderierte und auch später, als Jay Leno die Show im Jahr 1992 übernahm, produziert wurde. Zusammen mit Preston, waren an diesem Abend Steve Allen (der vorherige Showmaster der "Tonight Show), der Comedian Bill Dana, die Schauspielerin Jane Meadows, dem Latin Robin Williams und dem Sänger Kenny Rankin, auf der Bühne. Robin Williams hatte einmal gesagt, daß die Teilnahme an der Johnny Carson Show, genauso wäre, wie auf dem Center Court in Wimbledon zu spielen.

Diese Analogie passt sehr gut, insbesondere wenn man berücksichtigt daß die Show zu dieser Zeit die am meisten gesehene Late Night Show war und entsprechenden Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen konnte. Seit Carson vor etlichen Jahren die Late Night Show übernommen hatte, stieg die Anzahl der Zuschauer stetig. Für den Anstieg der Zuschauerzahlen, war Carson in seiner Person entscheidend mitverantwortlich, durch seine liebenswürdige Persönlichkeit, seinen Wortwitz und seine Fähigkeit, sein Gäste im richtigen Licht zu präsentieren, schaffte er es immer mehr Zuschauer für die Show zu begeistern.

Eine perfekte Umgebung für Preston. Wenn man seinen Auftritt bei Carson beschreiben sollte, kann man eigentlich nur sagen, daß Preston's Auftritt erste Sahne war.

Im Buch Total Poker (1977) schrieb David Spanier ein Kapitel, welches sich mit dem zweiten des Main Events 1972 beschäftigte (Pearson) und die Storie seine Sieges beim Main Event 1973 erzählt. Spanier vergleicht Pearson mit Preston und behauptet, Slim wäre mehr das Stereotype eines Pokerspielers. Preston besaß sicherlich mehr Flair, als die meisten anderen Pokerspieler dieser Zeit. Es war seine Fähigkeit in diese Rolle – den Stereotype eine Pokerspielers - zu schlüpfen und diese perfekt auszufüllen, welche dafür sorgte, daß er bei Johnny Carson eingeladen wurde

In All In: The (Almost) Entirely True Story of the World Series of Poker (2005), beschreiben Jonathan Grotenstein und Storms Reback Preston's "spezielle Vorliebe für grellfarbene Anzüge und Stiefel, Shirts mit riesigen Smaragd Knöpfen und sein Markenzeichen, den riesigen Stetson. Das Image passte natürlich gut zu einem alten Western Gambler, welcher auf dem Weg war, um Poker in den 70'ern populär zu machen. Wenn man Preston aber reden hörte, stellte man schnell fest, daß dies nicht nur ein Look war, es war keine Fassade – er war wirklich so, wie er sich präsentierte. Eigentlich kam Preston aus Arkansas, aber seine Familie zog nach Texas, als er noch ein Kind war. Während seines gesamten Lebens als Erwachsener in Texas repräsentierte er immer den Texas Road Gambler, welcher immer kurz davor steht, die weiße Linie zu überschreiten und ständig auf der Suche nach einem guten Spiel ist. Deshalb war er die perfekte Mischung zwischen einem Mann vom Land und dem Glamour von Vegas.

Prestons Witzigkeit und seine unzähligen Anekdoten über seine unzähligen Prop Bets, verschafften ihm noch einige Einladungen zur "Tonigth Show. Er war im August wieder zu Gast bei Carson und danach noch zehn weitere Mal. In seinem Buch Fat People schrieb Preston, daß Carson ihn so gerne mochte, daß er ihn jedes Mal zur Show einlud, wenn Bob Hope ebenfalls eingeladen war und immer hoffte, daß Bob Hope ihn nicht zu nervös machen würde. Preston und Hope hatten tatsächlich eine gemeinsame Vergangenheit. Nachdem Preston von der Navy entlassen worden war, nahm er mit Hope an einer Unterhaltungstour für die US-Truppen in Europa teil und arbeitete mehrmals eng mit Hope zusammen. Als begeisterter Billiardspieler, führte Preston den Truppen Pool Tricks vor. Preston schien es auf der Couch in der "Tonight Show" gut zu gefallen und in den 70'ern sorgte seine Teilnahme an Carsons Show sicherlich für jede Menge guter Presse für Poker und die WSOP.

Ein Botschafter des Pokers
Aber auch nach der "Tonight Show" mache Preston weiterhin Werbung für Poker. Preston's Profil wurde in dem Film "60 Minuten" dargestellt, er war Gast bei "Good Morning Amerika" und nahm an unzähligen Game Shows teil (z.B. "To Tell the Truth," "What's My Line?" und "I've Got a Secret"). Zwei Mal sprach er vor dem nationalen Presse Club und war sogar eingeladen um vor dem US-Senat zu sprechen. Zusammen mit Benny Binion trat er in Tom Snyder's "The Tomorrow Show" auf, wobei die Beiden eine Stunde lang, das Hauptthema der Sendung waren.

"Nach einer weile, waren diese Shows schon Routine" sagte Preston in Fat People. "Aber ich nahm immer daran teil, weil ich wusste, daß dies gut für Benny und die WSOP war und wie sich später herausstellte, nach viel besser für den alten Slim war". Preston nahm einige Werbespots auf und spielte im Jahr 1974 in Robert Altman's klassischem Gambling Film "California Split" einen Glückspieler.

Binion's Entscheidung den Preispool des WSOP Main Events 1972 zu verdoppeln und (egal ob manipuliert oder nicht) und die Krönung von Preston zum WSOP Champ, waren der ausschlaggebend dafür, daß sich das Ansehen des Poker zu jener Zeit stark verbesserte und die Popularität stieg. CBS zeigte Interesse und zeichnete die WSOP während des folgenden Jahres auf, um sie später als Dokumentarfilm (moderiert von Jimmy "The Greek" Snyder) im TV auszustrahlen. Nach Angaben von Reback und Grotenstein, wurden beschäftigten sich über 7000 Zeitungs- und Magazinartikel mit dem Thema WSOP 1972.

Ein Artikel mit dem Namen "Slim's Good Life" erschien am 28.Mai 1973 in der Time - ein Profil von Preston, geschrieben von John Austin. In dem Bericht ging es jedoch nicht nur um Preston berüchtigte Prop Bets, in dem Artikel wurde den Lesern der Time die Struktur des Main Events erklärt, es wurde erläutert, wie Texas Holdem gespielt wird und es wurde auf einige Konzepte im Bezug auf Poker eingegangen.

Während Prestons Ruf und Ansehen sich in den Jahren danach verändert hat, kann man die überwältigende Bedeutung seines Auftrittes bei der "Tonight Show" im Jahr 1970 für die Geschichte des gesamten Pokers nicht verleugnen. Wenn man die damalige Welle der Publicity durch diesen Auftritt mit dem Auftritt von Chris Moneymaker in der "Late Show with David Letterman" (im Juni 2003 – einige Monate bevor ESPN seinen Sieg im Main Event im TV übertrug) vergleicht, dann hat der Auftritt von Chris Moneymaker nur für eine sehr kleine Welle im kulturellen Mainstream gesorgt.  
 
 

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