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Künstliche Casino-Insel in der Ostsee

Estland ist, von den Baltischen Staaten, das sich am schnellsten entwickelnde Land. Die Hauptstadt Tallinn gilt als Industrie-, Verkehrs-, Handels- und Finanzzentrum. Aber auch Poker ist in der Hauptstadt sehr beliebt. Jetzt soll in der Paljassaare-Bucht vor Tallinn sogar eine künstliche Casino-Insel gebaut werden.

Tallinn ist eine sehr alte Stadt, bis in die Steinzeit reichen die Siedlungsspuren. Durch die günstige Lage am Meer war dieser Ort immer schon ein frequentierter Handelsplatz. Seit 1997 ist die historische Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe. Der mittelalterlich-hanseatische Charme ist bis heute erhalten geblieben und die Esten sind stolz auf ihre Hauptstadt mit dem Domberg, der Stadtmauer, den Türmen und den neu renovierten Häusern. Derzeit leben 396.200 (Stand 2007) Menschen in Tallinn, jährlich besuchen hunderttausende Touristen die Stadt. Viele davon legen auch mit dem Kreuzfahrtschiff an oder kommen mit der Fähre von Finnland auf einen Tagesausflug in die noch preisgünstige Stadt.

Der Casino-Boom im Stadtzentrum hat in den letzten Jahren derart überhand genommen, dass die Regierung nun eine neue Idee ins Auge gefasst hat. Laut einem Bericht in der österreichischen Tageszeitung „Kleine Zeitung" soll in der Bucht vor Tallinn eine künstliche Insel entstehen um die Casinos, die Wettcafés und die Spielhallen aus dem Zentrum auslagern zu können.

Die Stadt soll ihren Charme nicht einbüßen, denn ein großer Teil der wirtschaftlichen Kraft erhält Estland durch den Tourismus. Und den Kulturtourismus will man sich durch neonbeleuchtete Casinos nicht verderben. Geschichte und Kultur verträgt sich eben meist schlecht mit der Glitzerwelt der Glücksspiel-Industrie.

Initiator dieser Idee ist Stadtrat Mart Sults, er will durch diese Maßnahme negativen sozialen Entwicklungen entgegenwirken. Aber hinter der Idee steckt natürlich auch ein wirtschaftlicher Gedanke, denn durch eine eigene Casino-Insel würde die Stadt Tallinn um eine weitere Touristenattraktion reicher sein.

Um festzustellen ob diese Idee überhaupt Sinn macht, ist eine Kommission beauftragt worden. Diese prüft unter verschiedenen Gesichtspunkten, ob eine geschlossene Übersiedelung der Spiel-Lokale machbar ist. Mitte Mai soll der Bericht der Kommission fertiggestellt sein und Fragen im Bezug auf Finanzierbarkeit und Umweltverträglichkeit geklärt sein.

Interessanterweise sind die Glücksspielunternehmen diejenigen, die von dieser Idee wenig begeistert sind. Denn bei einer tatsächlichen Durchführung des Projekts müssten sie sich an den Baukosten beteiligen.

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